6.1 Herr S. 3

 

Herr Stressmichnicht hat Rücken.

Da war er nun endlich - der Ferrari unter den Bürostühlen. Unglaubliche 2000 Euro ließ sich Herrn Stressmichnicht's Arbeitgeber das ergonomische Geschoß kosten, um Herrn Stressmichnicht endlich von seinen Rückenschmerzen zu befreien, die ihn schon seit Jahren quälen. Höchste Zeit ist es geworden, dachte sich Herr Stressmichnicht. Schließlich war es ja genau sein alter Bürostuhl, der sein Rückenleiden verursachte und so seinen Drecksjob - zu allem Überfluss - auch noch zu einem sehr schmerzhaften Job machte. Auch der Betriebsarzt, der ihn immer wieder behandelte, aber nie eine konkrete Ursache finden konnte, pflichtete ihm bei. Es konnte nur an dem uralten Bürostuhl liegen, der mit seiner starren Rückenlehne und dem durchgesessenen Sitzpolster eher einem Folterstuhl glich, als einem physiologisch wertvollen Sitzgerät.

Herr Stressmichnicht war hin und weg von seinem neuen Gestühl, das sich wie eine zweite Haut an ihn schmiegte. Fast genauso liebevoll wie seine Frau zu Weihnachten, als sie ihre neue Handtasche eines gewissen Herrn Gucci erblickte. Etwas, das Herr Stressmichnicht übrigens bis heute nicht verstehen kann. Schließlich ist ja ein Rucksack viel praktischer, als so eine blöde Tasche und zudem wäre dann auch noch eine neue Wohnzimmereinrichtung drin gewesen. Aber was soll′s: „Happy wife, happy life“ dachte er sich. Gefühlte zwei Stunden brauchte Herr Stressmichnicht, um seinen neuen Thron optimal einzustellen, der ähnlich viele Stellungen kannte, wie ein Kamasutrabuch – nur mit dem Unterschied, dass man sich dabei nicht anstrengen musste. Sein neuer Thron wechselte nämlich die Positionen ganz bequem per Knopfdruck. Und was sagte sein Rücken zu seinem neuen Rückhalt? Ganz offensichtlich war sein Rücken etwas schwer von Begriff und hatte noch nichts vom neuen Thron mitbekommen, denn er schmerzte auch noch nach Wochen genauso wie zuvor.

Der Schlüssel liegt im Kopf!

Natürlich hat eine gute Arbeitsplatzgestaltung einen positiven Einfluss auf die Mitarbeiterzufriedenheit und kann bei körperlichen Problemen, denen eine organische Ursache zugrunde liegt, wertvolle Dienste leisten. Jedoch sind die Arbeitsbedingungen meist nicht die Hauptursache für gesundheitsgefährdende Arbeitsbelastungen. Hauptursachen sind mit über 70 Prozent die eigenen Gedanken und somit psychische Faktoren. Denn diese führen dazu, dass wir die an uns gestellten Aufgaben negativ bewerten. Und genau auf diese negative Bewertung reagiert unser Körper mit Stressreaktionen: Es kommt zu stressbedingten Anspannungen bzw. muskulären Fehlspannungen, die unterschiedlichste Schmerzen auslösen können. Das bedeutet, Herr Stressmichnicht müsste seine innere Haltung gegenüber seiner „Drecksarbeit“, wie er immer so schön sagt, verändern. Sobald er nämlich seine beruflichen Aufgaben positiv bewertet, entsteht Wohlbefinden und körperliche Lockerheit, wodurch sich seine Rückenschmerzen mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit immer mehr von selbst auflösen werden.


In den letzten Jahren wurde sehr viel Zeit und Geld in die ergonomische Arbeitsplatzgestaltung investiert, weil Rückenschmerzen einer der Hauptgründe für Frühpensionierung waren. Tatsache ist, dass diese Investitionen kaum bis gar nichts gebracht haben, da hierbei psychische Faktoren die entscheidende Rolle spielen. Und diese sind hochindividuell. Denn je nachdem, wie jeder Mensch selbst seine beruflichen Anforderungen und Aufgaben bewertet, kommt es entweder zu negativem Stress für den Körper oder nicht. Und in Studien konnte gezeigt werden, dass negativer Stress am Arbeitsplatz das Risiko für Rückenschmerzen um das Fünf- bis Siebenfache erhöht.

 

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